Postkarte vom Vorabend des 1. Weltkrieges nach Herford

Ein echtes Zeitzeugnis

Diese Karte wurde am 31.7.1914 an Bord des Reichspostdampfers Prinzregent der Deutschen Ostafrika Linie auf seinem Weg nach Deutsch Südwestafrika im Ärmelkanal geschrieben. Die Prinzregent war am 26.07.14 in Hamburg ausgelaufen für den routinemäßigen Weg rund um Afrika in westlicher Runde. Die Fahrt stand unter keinem guten Stern. Am 28.7.14 hatte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärt. Russland war Schutzmacht von Serbien und Deutschland hatte Österreich einen Blanko Scheck ausgestellt, unter allen Umständen Waffenhilfe gegen Russland zu leisten im Falle einer Kriegserklärung. Am 1.8.14, also am Tag nachdem diese Karte geschrieben wurde, trat Deutschland in den Krieg gegen Russland ein. Die Prinzregent hatte inzwischen Antwerpen angelaufen und befand sich auf dem Weg nach Southhampton als diese Karte geschrieben wurde: „Heute Abend erreichen wir Southhampton. Da soll dieser Gruß an Dich weiter befördert werden.“ Der Schreiber hatte schon kein gutes Gefühl: „Gestern sind wir Antwerpen angelaufen. An Bahnhöfen und Brücken sah man Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten.“ und „Eben sahen wir die Leuchtfeuer von Dover. Im Hafen liegen schwarze Kriegsschiffe“. Der Verfasser hat dennoch keine wirklich ernsten Sorgen, denn er freut sich schon auf seine Ankunft in Deutsch Südwest: „nun sind es nur noch 20 Tage!“. Die Karte wurde tatsächlich noch nach Herford weiter befördert, denn England trat erst am 4.8.14 in den Krieg ein. Für die Prinzregent war die Fahrt aber bald beendet. Die Nachricht vom Krieg erreichte sie auf dem Weg nach Las Palmas. Da Spanien neutral blieb, ließ sich das Schiff dort internieren. Die Passagiere waren gestrandet, denn England beherrschte die Meere, und den netten Flieger, der uns heute von Las Palmas nach Hause fliegt, gab es noch nicht. Die Prinzregent wurde nach Kriegende von Frankreich als Reparation beschlagnahmt und lief als „Cordoba“ weiter. 1932 wurde sie in Italien abgewrackt. Diese Karte ist ein Zeitzeugnis, das schon traurig macht. Kam der Scheiber je nach Hause in sein geliebtes DSWA (heute Namibia)? Was geschah mit den Passagieren? Viele Deutsche mit ähnlichem Schicksal landeten in Internierungslagern, wo sie oft bis Kriegsende bleiben mussten. Das erinnert irgendwie an gewisse „andere Flüchtlinge“.

Beleg und Text: AS

 

 

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